Lehrprojekt Digitales Handwerk — Hochschule Mainz — Joel Jerome Joebgen
Das Lehrprojekt „Digitales Handwerk" widmete sich der Erprobung und Frage nach der Symbiose von analogen und digitalen Werkzeugen in der Phase der Konzeptfindung und letztendlichen Materialisierung im 1:1. Die Studierenden im zweiten Architektursemester im Bachelorstudiengang an der Hochschule Mainz erprobten für ein Semester neue Methoden und stellten gewohnte Prozesse in der Planung und Umsetzung infrage.
Der immersive Raum in einer VR Umgebung bildet zu Anfang den Ort des Austauschs, der Konzeptfindung und schematischen Modellierung. Dies ermöglichte unmittelbar den Raumeindruck, die Elementierung und Dimensionierung direkt in einer dreidimensionalen Umgebung zu erleben. Der digitale Raum fordert zudem die Art und Weise der Kommunikation und Wahrnehmung der Mitstudierenden in einer kollaborativen Schnittstelle zwischen Abstraktion und Detaillierung neu zu finden. Die Planung wurde vollständig parametrisiert, um die Materialbeschaffung durch Urban Mining und die Umsetzung des Entwurfs zu optimieren. Die Parametrisierung ermöglichte zudem die Erstellung und Verwaltung der Geometrie mit über 700 Einzelteilen. Die erarbeiteten Workflows wurden mithilfe einer AR-Brille und einer App für die Fertigung vorbereitet, sodass auf gewohnte Zeichnungen und komplexe Ausführungspläne verzichtet werden konnte. In der unmittelbaren Fertigung wurden die einzelnen Bauteile durch AR Brillen in ihren Dimensionen sichtbar und konnten unmittelbar handwerklich bearbeitet werden.
Die Aufarbeitung von Resthölzern, die dadurch bewusst wieder in Baustoffkreislauf zurückgeführt wurden, erfolgte in händischer Arbeit, um das Gespür für das Material und seine Eigenschaften zu entwickeln und das Tun in der Architekturpraxis zu fördern.
Das Projekt wurde mit dem Preis für innovative Lehrideen der Hochschule Mainz gefördert und entstand mit Prof. Thomas Mrokon, Miriam Weckerle und Jonathan Haber.