Weinbergsklause im Ahrtal – kontemplativer Rückzugsort aus Holz, Stroh und Reet
Die Herangehensweise befasst sich mit dem Einraum und der bewussten Zäsur zwischen alltäglichem Geschehen und der Möglichkeit zur Hinwendung zum Selbst. Inhaltlich wird der Entwurf durch den Kontext mit dem in seiner Talebene gelegenen Dorf und den aufgehenden Steilhängen geformt, die eine menschlich überformte Landschaft zeigen, in ihrem Wesen jedoch maßgeblich durch die Morphologie des Ahrtals geprägt sind. Der Ort der Errichtung ist eine private Weinbergsparzelle, die sich den Steilhang hinaufzieht und in einem Wald mündet. Lediglich Wandernde und Anwohnende, die die Weinberge bewirtschaften, kommen vereinzelt vorbei.
Im Ausdruck bleibt das Innere weitestgehend verschlossen – lediglich gezielt gesetzte Öffnungen lassen Bezüge zum Kontext sichtbar werden. Die punktuellen Öffnungen verzichten auf große Gesten und verstärken dadurch die kontemplative Selbstbezogenheit des einen Raums. Die Überhöhung des Raums hinterlässt trotz der geringen Grundfläche eine vage Anmutung von Großzügigkeit. Zwei Ebenen ermöglichen ein spärliches Auskommen für den Moment des Aufenthalts. Die Konzeption setzt bewusst auf die Reduktion auf das Notwendige und kommt ohne technische Systeme und Annehmlichkeiten des alltäglichen Lebens aus. Der Verzicht wird dabei nicht als Einschränkung verstanden, sondern als Möglichkeit zur Besinnung auf wesentliche Bedürfnisse.
Die Klause materialisiert sich aus Holz, Stroh und Reet und gründet unmittelbar auf dem felsigen Untergrund. Alle Bauteile sollen in Eigenleistung errichtet und zusammengefügt werden und sind damit in ihren Abmessungen und Fügungen auf den Menschen und seine handwerklichen Möglichkeiten abgestimmt. Das Bauen selbst wird Teil der Auseinandersetzung mit dem Ort und den verwendeten Materialien. Das Material wird, soweit möglich, der unmittelbaren Umgebung entnommen und im Bewusstsein für die Gegebenheiten behandelt, sodass es mit dem Rückbau wieder in die Landschaft zurückgeführt werden kann. Die Klause versteht sich damit als ein zeitlich begrenzter Eingriff, dessen Entstehung und Vergänglichkeit gleichermaßen aus den Bedingungen des Ortes hervorgehen.